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Gynekomastie

30.03.2019 11.07.2026 Prof. Dr. Hayati AKBAŞ 18 Min. Lesezeit
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Prof. Dr. Hayati AKBAŞ
Autor
Prof. Dr. Hayati AKBAŞ
Plastik, Rekonstrüktif ve Estetik Cerrahi Uzmanı

Prof. Dr. Hayati AKBAŞ hat viele wissenschaftliche Studien, Artikel in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht, und viele wissenschaftliche Studien werden auf na...

Wer beim Schwimmen das T-Shirt anbehält, die Umkleide im Fitnessstudio meidet und den Kleiderschrank so einrichtet, dass keine eng anliegenden Oberteile darin hängen, hat dafür oft denselben Grund: eine Vergrößerung im Brustbereich. Dieser Zustand, medizinisch Gynäkomastie genannt, ist eine über das normale Maß hinausgehende Entwicklung von Brustgewebe beim Mann – und er ist deutlich häufiger, als viele annehmen.

Die meisten Männer sprechen jahrelang mit niemandem darüber. Dabei ist eine Gynäkomastie weder die Folge mangelnder Körperpflege noch ein Befund, der sich in jedem Fall allein mit Sport und Diät korrigieren lässt. Hat das Drüsengewebe erst eine bestimmte Reife erreicht, schrumpft es durch Training nicht mehr; denn es geht nicht nur um Fett, sondern um echtes Drüsengewebe (glanduläres Gewebe).

Andererseits ist die Gynäkomastie ein Zustand, dessen Ursache sich abklären, dessen Ausprägung sich einordnen und der sich bei geeigneten Patienten chirurgisch behandeln lässt. Auf dieser Seite gehen wir den gesamten Weg durch – von der Diagnose über die Operationstechniken bis hin zu Heilungsverlauf und Risiken – und zwar so, wie man darüber in einem Sprechzimmer reden würde.

Jinekomasti

Was ist Gynäkomastie?

Gynäkomastie bezeichnet die gutartige Vergrößerung des Brustdrüsengewebes beim Mann. Unmittelbar unter der Brustwarze lässt sie sich als tastbares, häufig leicht druckempfindliches, gummiartiges Gewebe fühlen. Meist tritt sie an beiden Brüsten auf; sie kann aber auch nur einseitig bestehen oder zwischen beiden Seiten deutlich unterschiedlich ausgeprägt sein.

Hier ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen. Nicht jede Vergrößerung im Brustbereich ist eine echte Gynäkomastie:

  • Echte Gynäkomastie: Ursache der Vergrößerung ist das Brustdrüsengewebe selbst. Unter hormonellem Einfluss hat sich das Drüsengewebe vermehrt; von Diät und Bewegung bleibt es unbeeinflusst.
  • Pseudogynäkomastie (falsche Gynäkomastie): Die Vergrößerung beruht allein auf einer Fetteinlagerung. Sie ist bei übergewichtigen Männern häufig und kann durch eine Gewichtsabnahme deutlich zurückgehen, wobei ein Hautüberschuss zurückbleiben kann.
  • Mischform: Das ist in der Praxis der am häufigsten anzutreffende Befund. Drüsen- und Fettgewebe liegen nebeneinander vor; entsprechend zielt der Behandlungsplan meist auf beide Anteile zugleich.

Welcher Typ vorliegt, klärt sich bei der Untersuchung weitgehend und wird bei Bedarf per Ultraschall gesichert. Auch die Behandlungstechnik richtet sich unmittelbar nach dieser Unterscheidung.

Warum kommt es beim Mann zur Brustvergrößerung?

Der Gynäkomastie liegt fast immer dieselbe Gleichung zugrunde: ein relatives Übergewicht der Östrogenwirkung gegenüber der Testosteronwirkung. Dieses Ungleichgewicht kann von den Hormonspiegeln selbst herrühren, ebenso aber von Medikamenten und Substanzen, welche die Wirkung der Hormone im Gewebe verändern.

Physiologische (natürliche) Gynäkomastie

In drei Lebensphasen tritt eine Gynäkomastie auch ohne Krankheitswert auf:

  1. Neugeborenenphase: Durch das von der Mutter übertragene Östrogen zeigt sich bei einem Teil der Neugeborenen eine vorübergehende Brustvergrößerung, die sich innerhalb weniger Wochen von selbst zurückbildet.
  2. Pubertät: Etwa im Alter von 12 bis 14 Jahren entwickelt mehr als die Hälfte der Jungen eine unterschiedlich stark ausgeprägte Brustvergrößerung. Die große Mehrheit dieser Vergrößerungen bildet sich innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren von selbst zurück.
  3. Höheres Lebensalter: Jenseits des 60. Lebensjahres steigt die Häufigkeit der Gynäkomastie erneut – durch die nachlassende Testosteronproduktion und den zunehmenden Körperfettanteil.

Medikamente und Substanzen

Bestimmte Magenmedikamente (vor allem ältere Säureblocker), einige Blutdruck- und Herzmittel, manche Antidepressiva, in der Prostatabehandlung eingesetzte Antiandrogene und langjähriger Alkoholkonsum können eine Gynäkomastie auslösen. Ein eigenes Kapitel sind die im Umfeld des Bodybuildings verwendeten anabolen Steroide: Ein Teil der von außen zugeführten hochdosierten Androgene wird im Körper in Östrogen umgewandelt, sodass beim Aufbau von Muskelmasse zugleich das Brustgewebe wachsen kann. Wird während des laufenden Steroidkonsums operiert, steigt das Rückfallrisiko deutlich; deshalb wird vor dem Eingriff das Absetzen dieser Substanzen verlangt.

Zugrunde liegende Erkrankungen

Seltener können eine Leberfunktionsstörung (Zirrhose), eine Niereninsuffizienz, Funktionsstörungen der Schilddrüse, Entwicklungsstörungen der Hoden, genetische Zustände wie das Klinefelter-Syndrom sowie hormonproduzierende Tumoren von Hoden oder Nebenniere zu einer Gynäkomastie führen. Diese Möglichkeiten sind selten, aber bedeutsam; genau darum bedeutet der diagnostische Weg bei der Gynäkomastie nicht bloß, das Erscheinungsbild zu korrigieren, sondern nach der Ursache zu suchen.

Eines sei ebenfalls klargestellt: Bei einem erheblichen Teil der Patienten fallen sämtliche Untersuchungen normal aus, ohne dass sich eine eindeutige Ursache finden lässt. Man spricht dann von einer idiopathischen Gynäkomastie – für sich genommen kein besorgniserregender Befund.

Grade (Stadien) der Gynäkomastie

Eine der in der chirurgischen Planung am häufigsten verwendeten Einteilungen ist die Simon-Klassifikation. Sie berücksichtigt sowohl das Ausmaß der Vergrößerung als auch die Frage, ob ein Hautüberschuss vorliegt:

Grad Beschreibung Typischer Behandlungsansatz
Grad I Kleine, auf die Umgebung der Brustwarze begrenzte Vergrößerung; kein Hautüberschuss Liposuktion und/oder Drüsenentfernung über einen kleinen Schnitt
Grad IIa Mittelgroße Vergrößerung; kein Hautüberschuss Liposuktion + Drüsenexzision über den Rand des Warzenhofs
Grad IIb Mittelgroße Vergrößerung; leichter Hautüberschuss Liposuktion + Exzision; das Zurückziehen der Haut wird meist dem Körper überlassen
Grad III Deutliche Vergrößerung mit Erschlaffung; einer weiblichen Brust ähnelndes Bild Zusätzlich zur Drüsen- und Fettentfernung eine Hautentfernung (verkleinerungsähnliche Techniken)

Diese Tabelle hilft, die eigene Situation grob einzuordnen; die genaue Gradeinteilung und die Wahl der Technik trifft jedoch die Ärztin oder der Arzt anhand des Untersuchungsbefunds, der Hautqualität und des Drüsen-Fett-Verhältnisses des Gewebes.

Bildet sich eine Gynäkomastie von selbst oder mit Medikamenten zurück?

Das ist eine der häufigsten Fragen – und die Antwort hängt vom Zeitpunkt ab.

Eine Pubertätsgynäkomastie bildet sich meist von selbst zurück; deshalb ist bei einem Jugendlichen im Wachstum das erste Vorgehen in der Regel das Abwarten. Die Neugeborenengynäkomastie ist ohnehin vorübergehend. Bei medikamentös bedingter Gynäkomastie kann ein ärztlich gesteuerter Wechsel des verantwortlichen Präparats die Vergrößerung aufhalten oder – wenn sie früh erkannt wird – sogar zurückbilden.

Zur medikamentösen Behandlung: Bestimmte Präparate, die den Östrogeneinfluss im Brustgewebe dämpfen, können in der frühen und schmerzhaften Phase der Gynäkomastie – in den ersten Monaten, solange das Gewebe noch weich und aktiv ist – bei ausgewählten Patienten erprobt werden. Bei einer Gynäkomastie, die etwa zwölf Monate überschritten hat, wird das Drüsengewebe jedoch fibrotisch, das heißt, es verhärtet sich und wird bleibend. Ab diesem Stadium ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Medikamente eine Rückbildung bewirken; eine dauerhafte Besserung gelingt bei den meisten Patienten nur chirurgisch. Keines dieser Medikamente ist zur Selbstbehandlung geeignet; Indikation und Überwachung liegen bei der Ärztin oder dem Arzt.

Kurz gesagt: Bei einer seit über einem Jahr bestehenden Gynäkomastie mit tastbarem, festem Drüsengewebe ist es nicht realistisch zu erwarten, dass sie durch Sport, Cremes oder eine Ernährungsumstellung verschwindet.

Wer ist für eine Operation geeignet, wer nicht?

Das allgemeine Profil eines geeigneten Kandidaten für die chirurgische Behandlung sieht so aus:

  • Die Vergrößerung besteht seit mindestens 12 Monaten stabil (in der Pubertät wird dieser Zeitraum länger angesetzt),
  • das Körpergewicht liegt in vernünftiger Nähe zum Idealbereich, ohne Gewichtsschwankungen,
  • eine zugrunde liegende hormonelle oder organische Ursache wurde abgeklärt und – falls vorhanden – zuerst behandelt,
  • der Patient raucht nicht oder ist bereit, im Umfeld der Operation aufzuhören,
  • die Erwartung an das Ergebnis ist realistisch: Ziel ist nicht eine „völlig flache, makellose Brust", sondern eine natürliche männliche Brustkontur.

In den folgenden Fällen wird der Eingriff dagegen verschoben oder eine andere Priorität gesetzt:

  • Jugendliche mitten in der Pubertät: Eine Operation, während sich die Vergrößerung noch zurückbilden könnte, kann einen unnötigen Eingriff bedeuten. Es gibt Ausnahmen; auf sie gehen wir weiter unten ein.
  • Aktiver Konsum anaboler Steroide: Wird während des laufenden Konsums operiert, ist die Rückfallwahrscheinlichkeit hoch.
  • Ausgeprägtes Übergewicht: Überwiegt der Pseudogynäkomastie-Anteil, verbessert eine vorherige Gewichtsabnahme nicht nur das Ergebnis, sondern erübrigt mitunter die Operation ganz.
  • Unkontrollierte Allgemeinerkrankungen und Gerinnungsstörungen: Diese müssen zunächst durch die jeweilige Fachdisziplin eingestellt werden.
  • Einseitige, feste, rasch wachsende Knoten mit Sekretion: Ein solcher Befund erfordert vor der ästhetischen Planung eine onkologische Abklärung.

Die Entscheidung fällt bei jedem Patienten individuell nach dem Untersuchungsbefund; die obige Liste ist ein Wegweiser, keine Vorschrift.

Wie lange sollte man bei einer Pubertätsgynäkomastie abwarten?

Bei einer in der Pubertät beginnenden Brustvergrößerung lautet die klassische Empfehlung, bis etwa zum 17. oder 18. Lebensjahr abzuwarten, wenn die knöcherne und hormonelle Entwicklung weitgehend abgeschlossen ist – und mindestens zwei Jahre ab Beginn der Vergrößerung –, weil sich die meisten dieser Vergrößerungen von selbst zurückbilden. Es gibt jedoch Ausnahmen: Ist die Vergrößerung stark ausgeprägt (Grad III), bildet sie sich seit mehr als zwei Jahren nicht zurück und stellt sie für den Jugendlichen eine erhebliche psychosoziale Belastung dar – etwa Vermeidung von Schule, Sport oder sozialen Situationen –, kann in gemeinsamer Beurteilung durch Familie, Kinderendokrinologie und plastische Chirurgie auch vor dem 18. Lebensjahr eine Operation infrage kommen.

Untersuchung und Diagnose: Zu welchem Arzt, welche Tests?

Bei Verdacht auf eine Gynäkomastie kann die erste Vorstellung in der Sprechstunde für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie oder in der Endokrinologie erfolgen. Der praktische Ablauf sieht so aus: Die Chirurgin oder der Chirurg bestätigt die Gynäkomastie bei der Untersuchung und bestimmt ihren Typ; deuten Vorgeschichte oder Befunde auf eine hormonelle Ursache hin, kommt eine endokrinologische (bei Bedarf urologische) Beurteilung hinzu.

Bei der Untersuchung beurteilt die Ärztin oder der Arzt das Gewebe unter der Brustwarze zwischen zwei Fingern: Ein gummiartiges, scheibenförmiges Gewebe spricht für Drüsengewebe, eine weiche, unscharf begrenzte Fülle für einen überwiegend fettbetonten Befund. Auch die Untersuchung der Hoden gehört zum Standard der Beurteilung, denn – so selten es ist – müssen von den Hoden ausgehende hormonelle Ursachen ausgeschlossen werden.

Welche Untersuchungen angefordert werden, richtet sich nach dem einzelnen Patienten; ein typisches Panel umfasst:

  • Hormontests: Gesamt- und freies Testosteron, Östradiol, LH, FSH, Prolaktin, TSH, Beta-hCG
  • Labor: Leber- und Nierenfunktionswerte
  • Bildgebung: Ultraschall der Brust (zur Unterscheidung Drüse/Fett und zur Suche nach Knoten); bei auffälligem Befund eine Mammografie; bei Auffälligkeiten in der Hodenuntersuchung ein Skrotalultraschall

Dass all diese Untersuchungen normal ausfallen, ist ein häufiges Ergebnis; in diesem Fall kann ohne weitere Ursachensuche zur chirurgischen Planung übergegangen werden.

Ist die Entscheidung zur Operation gefallen, erfolgt die Planung mit Fotodokumentation, und alle eingenommenen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel werden einzeln erfragt. Präparate mit blutverdünnender Wirkung (etwa Aspirin, Omega-3, hochdosiertes Vitamin E) sollen etwa eine Woche vor dem Eingriff und ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache abgesetzt werden. Von Rauchern wird erwartet, mindestens zwei bis vier Wochen vor der Operation aufzuhören; Rauchen beeinträchtigt sowohl die Wundheilung als auch das Zurückziehen der Haut.

Operationstechniken: Liposuktion, Exzision oder beides?

In der Gynäkomastie-Chirurgie gibt es nicht die eine Standardoperation; je nach Zusammensetzung des Gewebes und Zustand der Haut kommen drei Hauptverfahren und deren Kombinationen zum Einsatz.

1. Liposuktion (Fettabsaugung)

Über 3 bis 4 Millimeter kleine Zugänge rund um die Brust wird das Fettgewebe mit feinen Kanülen abgesaugt. Neben der klassischen Tumeszenz-Liposuktion können auch Systeme verwendet werden, die das Fett zunächst mit Ultraschall (VASER) oder mit Laserunterstützung verflüssigen; für energiebasierte Systeme wird ein Vorteil bei dichtem, faserreichem Brustfett und bei Patienten berichtet, bei denen ein leichtes Zurückziehen der Haut erwünscht ist. Die alleinige Liposuktion kann bei überwiegend fettbetonten Befunden mit geringem Drüsenanteil (Pseudogynäkomastie) ausreichen. Allgemeine Details zur Technik finden Sie auf unserer gesonderten Seite.

2. Chirurgische Exzision (Entfernung des Drüsengewebes)

Festes Drüsengewebe lässt sich nicht mit der Kanüle absaugen; es muss herausgeschnitten werden. Dazu wird meist ein halbmondförmiger, 2 bis 4 Zentimeter langer Schnitt am unteren Rand des dunkleren Rings um die Brustwarze (Areola) gesetzt, und das Drüsengewebe wird darüber entfernt. Dass der Schnitt an der Grenze des Warzenhofs verborgen wird, hilft, die Narbe langfristig unauffällig werden zu lassen. Damit die Brustwarze nicht einsinkt, wird ein Teil der Drüse als Polster darunter belassen – das ist eine der Feinheiten der Technik und stellt das Gleichgewicht zwischen Rückfall und Einsinken her.

3. Techniken mit Hautentfernung

Bei einer Gynäkomastie Grad III oder bei einer nach massiver Gewichtsabnahme erschlafften Brust genügt es nicht, nur den Inhalt zu entleeren; auch die überschüssige Haut muss entfernt werden. Die Hautexzision erfolgt um den Warzenhof herum (periareolär) oder – in fortgeschritteneren Fällen um den Preis zusätzlicher Narben; bei Bedarf wird die Brustwarze in ihre neue Position versetzt. Diese Gruppe erfordert hinsichtlich der Narben den größten Kompromiss und ist genau das Thema, das mit dem Patienten am offensten besprochen werden muss. Bei Patienten, für die nach starker Gewichtsabnahme eine Körperformung geplant ist, werden Brust, Bauch und weitere Regionen mitunter in einem gemeinsamen Plan betrachtet.

Vergleichstabelle

Nur Liposuktion Liposuktion + Exzision Chirurgie mit Hautentfernung
Geeigneter Befund Fettbetont, elastische Haut Mischform (häufigstes Szenario) Grad III, Erschlaffung, massive Gewichtsabnahme
Schnitt/Narbe 3–4 mm Zugänge + 2–4 cm am unteren Rand des Warzenhofs + um den Warzenhof, bei Bedarf zusätzliche Linien
Narkose Vollnarkose oder Sedierung Meist Vollnarkose Vollnarkose
Durchschnittliche Dauer 1–1,5 Stunden 1,5–2 Stunden 2–3 Stunden
Bezogen auf einen Drüsenrückfall Kann unzureichend sein, da die Drüse verbleibt Gering, da die Drüse entfernt wird Gering
Zurückziehen der Haut Wird dem Körper überlassen Wird dem Körper überlassen Wird chirurgisch erreicht

Welche Technik oder Kombination geeignet ist, wird gemeinsam anhand der Tastuntersuchung des Gewebes und der Ultraschallbefunde festgelegt. Selbst bei zwei Patienten desselben Grades können unterschiedliche Pläne entstehen.

Der Operationstag: Schritt für Schritt

Die Operation erfolgt meist unter Vollnarkose; bei begrenzten Liposuktionsfällen sind auch Sedierung und örtliche Betäubung eine Option. Die Anästhesistin oder der Anästhesist beurteilt Sie vor dem Eingriff gesondert.

Sie kommen morgens nüchtern (meist wird eine Nüchternheit von 6 bis 8 Stunden verlangt). Im Stehen werden die chirurgischen Markierungen auf die Brust gezeichnet – dass dies im Stehen und nicht im Liegen geschieht, dient dazu, die Wirkung der Schwerkraft in die Planung einzubeziehen. Der Eingriff dauert je nach Umfang zwischen einer und drei Stunden. Beim Aufwachen ist der Brustbereich mit einem speziellen Kompressionsmieder (Kompressionsweste) versorgt; bei manchen Patienten werden zur Vermeidung von Flüssigkeitsansammlungen dünne Silikondrainagen eingelegt, die meist innerhalb von ein bis drei Tagen entfernt werden.

Die meisten Patienten werden noch am selben Abend oder am nächsten Morgen entlassen. Sie sollen unbedingt in Begleitung eines Angehörigen nach Hause fahren und die erste Nacht nicht allein verbringen.

Heilung Woche für Woche

Der folgende Zeitplan gilt für eine typische Operation aus Liposuktion und Exzision; bei großen Eingriffen mit Hautentfernung verlängern sich die Zeiten etwas. Jeder Verlauf ist individuell; das von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vorgegebene Programm hat stets Vorrang.

Die ersten 72 Stunden. Beschrieben wird weniger Schmerz als vielmehr ein Spannungs- und Druckgefühl; der Schmerz ist meist leicht bis mittelstark und mit einfachen Schmerzmitteln beherrschbar. In den ersten drei Nächten sollen Sie auf dem Rücken liegen, mit um 30 bis 45 Grad erhöhtem Kopf und Oberkörper – zwei Kissen oder ein Keilkissen erfüllen den Zweck. Kurze Gänge in der Wohnung sind vom ersten Tag an erwünscht; sie senken das Thromboserisiko.

Tag 4 bis 7. Die meisten mit Bürotätigkeit kehren in diesem Zeitraum zur Arbeit zurück. Die Freigabe zum Duschen erfolgt in der Regel nach Entfernung der Drainagen und je nach Verbandsschema am 2. bis 4. Tag. Sie sollen die Arme nicht mit Kraft über Schulterhöhe heben und keine Lasten über 3 bis 4 Kilogramm tragen. Autofahren ist erlaubt, sobald Sie bei einem plötzlichen Manöver die Brustmuskeln sicher einsetzen können – meist zum Ende der ersten Woche.

Woche 2 bis 3. Die Blutergüsse hellen sich auf, die gröbste Schwellung geht zurück. Eine schrittweise Rückkehr zu ruhigem Gehen und leichtem, auf den Unterkörper ausgerichtetem Cardio ist in dieser Phase möglich. Das Mieder wird weiterhin Tag und Nacht getragen.

Woche 4 bis 6. Die Tragedauer des Mieders beträgt in den meisten Protokollen insgesamt 4 bis 6 Wochen; in den letzten Wochen kann auf reines Tagestragen umgestellt werden. Ab der 4. Woche werden Laufen und Krafttraining für den Unterkörper, ab der 6. Woche Krafttraining für Brust, Schulter und Arme (einschließlich Bankdrücken) meist freigegeben. Auch für Schwimmen und Schwimmbad wird diese Phase abgewartet, in der die Wunden vollständig verschlossen sind.

Monat 3 bis 6. Die verbliebene Schwellung löst sich auf, das Gewebe wird weicher, die Brustkontur setzt sich. Die Narben werden in dieser Phase zunächst rosa und beginnen dann zu verblassen; die Reifung einer Narbe kann bis zu 12 Monate dauern. In dieser Zeit soll der Narbenbereich nicht direkt der Sonne ausgesetzt und im Freien mit einem hohen Lichtschutzfaktor geschützt werden. Maßnahmen zur Narbenpflege wie Silikongel oder -pflaster können mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen werden.

Der richtige Zeitpunkt, um das Endergebnis zu beurteilen, sind nicht die ersten Wochen, sondern der 6. Monat. In der Frühphase durch die Schwellung den Eindruck zu gewinnen, es habe sich „überhaupt nichts verändert", ist verbreitet und meist irreführend.

Risiken und mögliche Komplikationen

Wie jeder chirurgische Eingriff hat auch die Gynäkomastie-Operation ihre Risiken. Sie zu kennen, ist die erste Voraussetzung dafür, nicht überrascht zu werden:

  • Hämatom (Blutansammlung): die häufigste frühe Komplikation; kleine Ansammlungen werden vom Körper resorbiert, größere können eine Entleerung erfordern. Drainagen und Mieder dienen dazu, dieses Risiko zu senken.
  • Serom (Flüssigkeitsansammlung): wird meist durch Punktion mit einer Spritze entleert.
  • Infektion: selten; bei Rötung, zunehmenden Schmerzen und Fieber sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
  • Gefühlsveränderung an der Brustwarze und ihrer Umgebung: Taubheit oder Empfindlichkeit sind häufig und bilden sich bei den meisten Patienten innerhalb von Monaten zurück; bei einer kleinen Gruppe können sie bleibend sein.
  • Konturunregelmäßigkeiten, Dellenbildung oder Einsinken der Brustwarze: kann durch die Entfernung von zu viel Gewebe entstehen; mitunter ist ein Korrektureingriff nötig.
  • Asymmetrie: Eine gewisse natürliche Asymmetrie besteht bei jeder Brust; bleibt ein deutlicher Unterschied, kann eine Nachkorrektur infrage kommen.
  • Narbenprobleme: Narben werden bei den meisten Patienten mit der Zeit unauffällig; je nach persönlicher Veranlagung können sich jedoch rote, wulstige (hypertrophe/keloidale) Narben bilden. Die Aussage „es bleibt gar keine Narbe" ist nicht realistisch; das Ziel ist, die Narbe an die am wenigsten sichtbare Stelle zu verlegen.
  • Rückfall: Wurde das Drüsengewebe nicht vollständig entfernt, kommt es zu einer deutlichen Gewichtszunahme oder bestehen die Auslöser durch Steroide oder Hormone fort, kann die Vergrößerung erneut auftreten.
  • Narkosebedingte Risiken und – selten – Thrombosen (Thromboembolie): Durch frühes Gehen und, in geeigneten Fällen, vorbeugende Maßnahmen wird das Risiko gesenkt.

Die Komplikationsraten hängen vom Allgemeinzustand des Patienten, vom Rauchverhalten und vom Umfang der Operation ab. Die Risiken werden im Vorgespräch individuell mit Ihnen besprochen und in der schriftlichen Einwilligungserklärung festgehalten.

Gynäkomastie und Brustkrebs: Was man wissen sollte

Die Gynäkomastie ist eine gutartige Vergrößerung und selbst kein Krebs. Brustkrebs beim Mann ist eine seltene Erkrankung, die etwa ein Prozent aller Brustkrebsfälle ausmacht. Dennoch sind zwei Punkte zu unterscheiden.

Erstens erwecken bestimmte Befunde weniger den Verdacht auf eine Gynäkomastie als auf einen Tumor und erfordern unbedingt eine weiterführende Abklärung: ein einseitiger, fester, unregelmäßig begrenzter Knoten, der abseits des Zentrums der Brustwarze liegt; eine blutige Sekretion aus der Brustwarze; eine Einziehung oder ein Geschwür der Haut; ein tastbarer Knoten in der Achselhöhle. Liegt einer dieser Befunde vor, hat nicht die ästhetische Planung Vorrang, sondern die diagnostische Abklärung.

Zweitens ist bei Männern mit Klinefelter-Syndrom das Brustkrebsrisiko gegenüber der allgemeinen männlichen Bevölkerung erhöht; Betroffenen wird empfohlen, Veränderungen der Brust engmaschiger kontrollieren zu lassen.

Das bei der Operation entfernte Drüsengewebe zur pathologischen Untersuchung einzusenden, ist gängige Praxis; so wird das Gewebe zusätzlich unter dem Mikroskop beurteilt. Für Leser, die sich für die rekonstruktive Seite der Brustchirurgie interessieren, steht ebenfalls eine gesonderte Seite zur Verfügung.

Ist das Ergebnis dauerhaft? Was ist langfristig zu erwarten?

Entferntes Drüsengewebe bildet sich nicht neu; in diesem Sinne ist die durch die Operation erreichte Besserung bei den meisten Patienten langlebig. Zu sagen „es wächst nie wieder" wäre jedoch falsch, denn das verbliebene Gewebe und die Brusthaut leben weiter:

  • Eine deutliche Gewichtszunahme kann im Brustbereich zu einer erneuten Fetteinlagerung führen. Das Halten des Gewichts nach der Operation ist die wichtigste Säule zum Erhalt des Ergebnisses.
  • Die Rückkehr zu anabolen Steroiden und ähnlichen Substanzen kann das verbliebene, geringe Drüsengewebe erneut stimulieren und zählt zu den Hauptursachen eines Rückfalls.
  • Manche neu begonnenen Medikamente und das mit dem Alter veränderte Hormongleichgewicht können selten den Boden für eine neue Vergrößerung bereiten.

Werden diese Faktoren im Griff gehalten, bleibt die Brustkontur bei der großen Mehrheit der Patienten über die Jahre stabil. In unserem Zentrum wird die Nachsorge nach der Operation meist als Kontrolle in der 1. Woche sowie im 1., 3. und 6. Monat geplant; dieses Programm wird an den einzelnen Patienten angepasst.

Häufig gestellte Fragen zu Gynekomastie

Die große Mehrheit der in der Pubertät beginnenden Gynäkomastien bildet sich innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren von selbst zurück. Bei einer beim Erwachsenen seit über einem Jahr bestehenden Gynäkomastie mit verhärtetem Drüsengewebe ist ein spontanes Verschwinden nicht zu erwarten.
In der frühen, aktiven Phase (in den ersten Monaten) können bei ausgewählten Patienten unter ärztlicher Kontrolle Medikamente erprobt werden, die den hormonellen Einfluss regulieren. Bei einer über ein Jahr bestehenden, fibrotisch gewordenen Gynäkomastie ist die Erfolgswahrscheinlichkeit einer medikamentösen Therapie gering; eine dauerhafte Besserung erfordert meist einen chirurgischen Eingriff.
Allgemein wird empfohlen, ab Beginn der Vergrößerung mindestens zwei Jahre abzuwarten und nach Möglichkeit das 17. bis 18. Lebensjahr (den Abschluss der Entwicklung) abzuwarten. Bei stark ausgeprägter Vergrößerung und erheblicher psychosozialer Belastung kann in gemeinsamer Entscheidung der beteiligten Fachdisziplinen auch früher operiert werden.
Nach der am häufigsten verwendeten Simon-Klassifikation: Grad I (klein, kein Hautüberschuss), Grad IIa (mittel, kein Hautüberschuss), Grad IIb (mittel, leichter Hautüberschuss), Grad III (deutliche Vergrößerung mit Erschlaffung). Mit steigendem Grad nimmt der Bedarf an Hautentfernung und das Ausmaß der Narben tendenziell zu.
Die plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie oder die Endokrinologie sind geeignete Anlaufstellen. Typischerweise werden ein Hormonpanel (Testosteron, Östradiol, LH, FSH, Prolaktin, TSH, Beta-hCG), Leber- und Nierenwerte sowie ein Brustultraschall angefordert; je nach Befund kommen weitere Untersuchungen hinzu.
Je nach Umfang dauert sie 1 bis 3 Stunden. Meist wird eine Vollnarkose verwendet; bei begrenzten Liposuktionsfällen ist auch eine Sedierung mit örtlicher Betäubung möglich. Die meisten Patienten werden am selben oder am nächsten Tag entlassen.
Leichtes Gehen wird ab den ersten Tagen empfohlen. Zu leichtem Cardio kehrt man meist in der 2. bis 3. Woche zurück, zum Laufen ab der 4. Woche, zum Krafttraining für Brust, Schulter und Arme meist ab der 6. Woche. Den genauen Zeitplan legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt je nach Umfang der Operation fest.
In den meisten Protokollen insgesamt 4 bis 6 Wochen; in den ersten Wochen Tag und Nacht, gegen Ende nur noch tagsüber. Das Mieder verringert die Schwellung und hilft der Haut, sich an die neue Kontur anzulegen.
Bei einer fettbetonten (falschen) Gynäkomastie kann eine Gewichtsabnahme eine deutliche Besserung bringen. Das Drüsengewebe einer echten Gynäkomastie bleibt von Sport und Diät hingegen unbeeinflusst; bei Männern, die abnehmen und die Brustmuskulatur aufbauen, kann das Drüsengewebe sogar deutlicher hervortreten.
Die Gynäkomastie ist gutartig und gilt selbst nicht als ein Zustand, der zu Krebs wird. Liegen jedoch ein einseitiger fester Knoten, eine blutige Sekretion aus der Brustwarze, Hautveränderungen oder ein Knoten in der Achselhöhle vor, ist eine weiterführende Abklärung zwingend. Bei Männern mit Klinefelter-Syndrom ist das Risiko relativ erhöht; das bei der Operation entnommene Gewebe wird bei jedem Patienten zur Pathologie eingesandt.
Die Zugänge der Liposuktion sind 3 bis 4 Millimeter kleine Punkte. Bei Entfernung der Drüse wird die Narbe am unteren Rand des Warzenhofs bei den meisten Patienten mit der Zeit unauffällig, weil sie mit der Farbgrenze verschmilzt; die Narbe verschwindet jedoch nicht vollständig, und die Heilung ist individuell verschieden. Bei großen Eingriffen mit Hautentfernung sind die Narben länger – das wird vor der Operation offen besprochen.
Da entferntes Drüsengewebe sich nicht neu bildet, ist ein Rückfall selten. Eine deutliche Gewichtszunahme, der Konsum anaboler Steroide oder eine neue, das Hormongleichgewicht störende Ursache können jedoch im verbliebenen Gewebe eine erneute Vergrößerung auslösen. Gewichtskontrolle und das Meiden von Auslösern sind entscheidend für den Erhalt des Ergebnisses. Wenn die Vergrößerung im Brustbereich Sie von der Wahl der Kleidung bis zum sozialen Leben einschränkt, ist der erste Schritt nicht die Selbstdiagnose im Internet, sondern eine Untersuchung. Die richtige Diagnose – echt, falsch oder gemischt; liegt eine Ursache zugrunde – kann die Richtung der Behandlung vollständig verändern. Nach dieser Beurteilung werden die für Sie geeigneten Optionen, die zu erwartenden Ergebnisse und die Risiken konkret besprochen; die Entscheidung liegt in jeder Phase gemeinsam mit der ärztlichen Beurteilung bei Ihnen.

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