Brustästhetik ist nicht der Name eines einzelnen Eingriffs, sondern der Oberbegriff für drei sehr unterschiedliche Anliegen. Die eine Frau stört sich an der geringen Größe oder am Volumenverlust ihrer Brust, die andere an der Erschlaffung nach Schwangerschaft und Stillzeit, die dritte an Rücken- und Nackenschmerzen, die eine über Jahre getragene, sehr große Brust verursacht. In allen drei Fällen beginnt die Beschwerde an der Brust, doch die Lösungswege, die Operationstechniken und die Heilungsverläufe unterscheiden sich deutlich voneinander.
Diese Unterscheidung zu kennen ist für Patientinnen wichtig. Denn wer im Internet nach dem Stichwort Brustästhetik sucht, weiß meist noch nicht, welcher Eingriff zur eigenen Situation passt. Eine erschlaffte und zugleich kleine Brust erfordert manchmal nur ein Implantat, manchmal allein eine Straffung, manchmal beides zusammen. Diese Entscheidung trifft erst die Untersuchung; kein Text, kein Foto und kein Telefongespräch kann die körperliche Untersuchung ersetzen.
In diesem Ratgeber betrachten wir alle drei Eingriffe einzeln: für wen sie geeignet sind, wie sich die Techniken unterscheiden, wie der Operationstag abläuft, wie die Heilung Woche für Woche verläuft und welche Risiken ehrlich angesprochen werden müssen. Unser Ziel ist, dass Sie beim Erstgespräch so gut informiert sind, dass Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt die richtigen Fragen stellen können.

Was ist Brustästhetik, und welche Eingriffe umfasst sie?
In der plastischen Chirurgie fasst der Begriff Brustästhetik drei grundlegende Eingriffe zusammen:
- Brustvergrößerung (Augmentation): Vergrößerung des Brustvolumens mit einem Silikonimplantat oder mit körpereigenem Fettgewebe.
- Bruststraffung (Mastopexie): Anheben des erschlafften Brustgewebes und der Brustwarze auf die anatomisch günstige Höhe; die Form wird neu aufgebaut, ohne Volumen hinzuzufügen.
- Brustverkleinerung (Reduktion): Entfernung überschüssigen Drüsen- und Fettgewebes sowie überschüssiger Haut, wobei die Brust zugleich verkleinert und neu geformt wird.
Diese drei werden häufig verwechselt, weil bei ein und derselben Patientin mehrere Probleme gleichzeitig bestehen können. Eine kleine und erschlaffte Brust kann eine Straffung zusammen mit einem Implantat erfordern; bei einer sehr großen Brust ist die Formung bei der Verkleinerung ohnehin ein natürlicher Teil des Eingriffs. Die bei Männern auftretende Brustdrüsenvergrößerung ist ein eigenes Thema und wird mit anderen Techniken behandelt. Auch der Wiederaufbau der Brust nach einer Krebsoperation zählt nicht zur Ästhetik, sondern zur rekonstruktiven Chirurgie.
Wer ist geeignet, wer nicht?
Der allgemeine Rahmen ähnelt sich bei allen drei Eingriffen: Als Kandidatinnen gelten Frauen, deren Brustentwicklung abgeschlossen ist, deren Allgemeinzustand einen Eingriff zulässt und deren Erwartungen realistisch sind. Für ästhetische Brustoperationen liegt die Altersuntergrenze bei 18 Jahren; bei der Vergrößerung warten viele Operateure bewusst das Alter zwischen 18 und 20 Jahren ab, damit sich die Brustentwicklung gefestigt hat.
Bestimmte Umstände verschieben den Eingriff oder ändern den Plan grundlegend:
- Bestehende Schwangerschaft und Stillzeit. Nach dem Abstillen wartet man in der Regel mindestens sechs Monate, bis die Brust ihre endgültige Form angenommen hat.
- Eine geplante deutliche Gewichtsabnahme in naher Zukunft. Da ein spürbarer Gewichtswechsel die Brustform erneut verändert, liefert eine Operation nach Erreichen des angestrebten Gewichts das stabilere Ergebnis.
- Unbehandelter Diabetes, Gerinnungsstörungen oder eine akute Infektion und ähnliche Zustände, die das operative Risiko erhöhen.
- Ein nicht abgeklärter Knoten oder ein auffälliger Bildgebungsbefund im Brustgewebe. In diesem Fall wird zunächst die Abklärung durch die allgemein- oder brustchirurgische Fachdisziplin abgeschlossen.
- Rauchen ist kein absolutes Hindernis; da es aber besonders bei Straffung und Verkleinerung die Wundheilung und die Durchblutung der Brustwarze beeinträchtigt, sollte es mindestens drei bis vier Wochen vor dem Eingriff eingestellt werden.
Bei der Verkleinerung liegt der Fall etwas anders: Hier steht meist nicht das Aussehen im Vordergrund, sondern körperliche Beschwerden. Schmerzen in Schulter und Rücken, Druckstellen der BH-Träger, wiederkehrende Hautreizungen und Pilzinfektionen in der Unterbrustfalte sowie ein den Sport erschwerendes Schweregefühl sind die typischen Gründe für eine Verkleinerung. Bei Patientinnen mit diesen Beschwerden hat der Eingriff ebenso funktionellen wie ästhetischen Charakter.
Eines sei offen gesagt: Bei Patientinnen, deren Erwartung so starr ist wie die Brust einer bestimmten Prominenten oder ein bestimmtes Foto, ist das Risiko der Unzufriedenheit hoch. Brustästhetik baut auf dem eigenen Brustkorb, der Hautqualität und der vorhandenen Gewebemenge auf; das Ergebnis formt sich nach dieser Grundlage.
Untersuchung und Planung: Wie wird entschieden?
Das Erstgespräch ist ebenso wichtig wie die Operation selbst. Dabei beurteilt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mehrere Punkte gemeinsam: Menge und Verteilung des Brustgewebes, Elastizität und Dicke der Haut, die Lage der Brustwarze auf dem Brustkorb, die Asymmetrie zwischen beiden Brüsten (die bei fast jeder Frau in gewissem Maße vorhanden ist), die Breite des Brustkorbs sowie das Verhältnis von Schulter zu Hüfte.
Der Grad der Erschlaffung ist bei der Entscheidung über eine Straffung ausschlaggebend. Chirurgen graduieren ihn nach der Lage der Brustwarze im Verhältnis zur Unterbrustfalte: Steht die Brustwarze auf Höhe der Falte, ist die Erschlaffung leicht; liegt sie darunter, mittelgradig; nähert sie sich dem tiefsten Punkt der Brust, ausgeprägt. Bei leichter Erschlaffung sorgt manchmal allein ein Implantat für ausreichende Straffung; bei mittlerem und ausgeprägtem Grad wird eine Straffung unumgänglich.
Der zweite Teil der Untersuchung ist das gesundheitliche Screening. Neben Blutuntersuchungen und der anästhesiologischen Beurteilung werden je nach Alter und Risikoprofil eine Ultraschalluntersuchung der Brust oder eine Mammografie veranlasst. Bei Patientinnen mit Brustkrebs in der Familie ist dieses Screening besonders wichtig; zeigt sich ein auffälliger Befund, wird der Operationsplan zurückgestellt und zunächst die Abklärung durch die zuständige Fachdisziplin abgeschlossen. Ihre Medikamente – besonders Blutverdünner, Hormonpräparate und regelmäßig eingenommene pflanzliche Ergänzungsmittel – sollten Sie in diesem Gespräch vollständig angeben.
Ist eine Vergrößerung geplant, gehört auch eine Mess- und Anprobephase zur Untersuchung. Die Breite der Brustwand wird millimetergenau vermessen, und Probeimplantate unterschiedlichen Volumens werden im BH anprobiert, damit die Patientin eine konkrete Vorstellung bekommt. Die Antwort auf die Frage nach der Anzahl der Milliliter ergibt sich nicht aus einem Katalog, sondern aus diesen Messungen.
Die Entscheidung fällt nie einseitig. Der Arzt legt dar, was anatomisch möglich ist, die Patientin schildert ihre Erwartung, und der Plan entsteht an der Schnittstelle beider.
Technische Optionen: Vergleich der drei Eingriffe
| Brustvergrößerung | Bruststraffung | Brustverkleinerung | |
|---|---|---|---|
| Hauptziel | Volumen aufbauen | Erschlaffung korrigieren, Form geben | Volumen verringern + Form geben |
| OP-Dauer | 1–2 Stunden | 2–3 Stunden | 2,5–4 Stunden |
| Narkose | Vollnarkose | Vollnarkose | Vollnarkose |
| Klinikaufenthalt | Meist am selben Tag oder eine Nacht | Eine Nacht | Eine Nacht |
| Narbe | 3–5 cm, in der Unterbrustfalte | Um die Brustwarze ± senkrechte Narbe | Lollipop- oder umgekehrte T-Form |
| Rückkehr zur Arbeit | 5–7 Tage (Bürotätigkeit) | 7–10 Tage | 10–14 Tage |
| Auswirkung auf das Stillen | Meist gering | Je nach Technik unterschiedlich | Kann je nach Technik abnehmen |
Optionen bei der Brustvergrößerung
Für die Vergrößerung gibt es zwei Hauptwege: das Silikonimplantat und den Eigenfetttransfer.
Silikonimplantate werden heute mit einem kohäsiven, formstabilen Gel gefertigt; selbst bei einem Riss der Hülle soll das Gel nicht auslaufen. Nach Form unterscheidet man zwei Hauptgruppen: runde und anatomische (tropfenförmige) Implantate. Runde Implantate geben dem Dekolleté deutlicheres Volumen; tropfenförmige Implantate ahmen die natürliche Kurve der Brust nach und sorgen für einen volleren unteren und einen weicheren oberen Pol. Welches gewählt wird, richtet sich nach dem vorhandenen Gewebe und dem gewünschten Aussehen.
Auch die Ebene, in die das Implantat eingesetzt wird, gehört zu den entscheidenden Weichenstellungen des Eingriffs:
- Lage über dem Muskel (subglandulär): Das Implantat liegt unter dem Drüsengewebe, aber über dem Brustmuskel. Die Erholung verläuft schneller, und bei sportlich aktiven Frauen bewegt sich das Implantat nicht mit der Muskelkontraktion. Bei Patientinnen mit dünnem Brustgewebe können sich jedoch die Ränder des Implantats abzeichnen.
- Lage unter dem Muskel / Dual Plane: Der obere Teil des Implantats wird unter den Brustmuskel gelegt. Bei dünnem Gewebe entsteht so ein natürlicherer Übergang am oberen Pol, und die Beurteilung des Brustgewebes in der Mammografie fällt leichter. In den ersten Wochen sind die muskelbedingten Schmerzen etwas stärker.
Der Schnitt wird meist in der Unterbrustfalte gesetzt; diese 3–5 Zentimeter lange Narbe bleibt im Schatten der Falte verborgen und verblasst mit der Zeit. Auch ein Zugang über den Rand der Brustwarze oder die Achselhöhle ist möglich; Vorteile und Grenzen jeder Variante werden bei der Untersuchung besprochen.
Der Eigenfetttransfer (Lipofilling) ist eine Alternative für Patientinnen, die kein Implantat wünschen und sich mit einer moderaten Volumenzunahme zufriedengeben. Am Bauch oder an der Taille entnommenes Fett wird aufbereitet und in die Brust injiziert. Da ein Teil des übertragenen Fetts vom Körper wieder abgebaut wird, ist das Ergebnis weniger vorhersehbar als bei einem Implantat, und mitunter ist eine zweite Sitzung nötig.
Optionen bei der Bruststraffung
Die Technik der Straffung richtet sich nach dem Grad der Erschlaffung, und die Technik bestimmt unmittelbar die Form der Narbe:
- Periareolär (um die Brustwarze): kommt bei leichter Erschlaffung zum Einsatz; die Narbe verläuft nur um den dunkleren Warzenhof.
- Vertikal / Lollipop: Bei mittelgradiger Erschlaffung entsteht zusätzlich zur Narbe um die Brustwarze eine senkrechte Narbe, die von der Brustwarze zur Unterbrustfalte reicht.
- Umgekehrtes T (Wise-Pattern): Bei ausgeprägter Erschlaffung kommt zur senkrechten Narbe eine waagerechte entlang der Unterbrustfalte hinzu.
Wovor Patientinnen am meisten zurückschrecken, sind diese Narben, und die Bedenken sind verständlich. Das realistische Bild ist dieses: Die Narben bleiben dauerhaft, doch die in den ersten zwei bis drei Monaten roten und deutlichen Linien beginnen ab dem sechsten Monat zu verblassen und gehen innerhalb von 12 bis 18 Monaten bei den meisten Patientinnen in feine, hautfarbennahe Linien über. Die Narbenqualität hängt von der Hautbeschaffenheit, vom Rauchen und von der Pflege ab; unterstützende Maßnahmen wie Silikongel oder Pflaster können die Heilung günstig beeinflussen.
Bei erschlafften Brüsten mit unzureichendem Volumen kann eine Straffung allein keinen vollen oberen Pol schaffen; bei diesen Patientinnen lässt sich die Straffung mit dem Einsetzen eines Implantats verbinden. Ob beide Eingriffe in einer Sitzung oder in zwei getrennten Sitzungen erfolgen, beurteilt die Ärztin oder der Arzt anhand der Gewebequalität.
Optionen bei der Brustverkleinerung
Die Verkleinerung ist von den drei Eingriffen der technisch umfassendste, denn hier wird Gewebe entfernt, die Brustwarze an ihre neue Stelle verlagert und das verbleibende Gewebe neu geformt. Das Narbenmuster folgt derselben Logik wie bei der Straffung: Je mehr Gewebe zu entfernen ist, desto eher geht man von der Lollipop-Narbe zur umgekehrten T-Narbe über.
Eingesetzt werden Verlagerungstechniken (Stiel- oder Pedikeltechniken), die die Durchblutung und möglichst auch das Gefühl der Brustwarze erhalten; welcher Stiel gewählt wird, hängt von der Größe der Brust und dem Ausmaß der Erschlaffung ab. Bei überwiegend fettreichen Brüsten kann ergänzend zum Eingriff mit einer Fettabsaugung geformt werden; besonders seitliche Fülle, die zur Achselhöhle hin übergeht, lässt sich auf diese Weise ausdünnen.
Bei sehr großen Brüsten wird das entnommene Gewebe zur pathologischen Untersuchung eingeschickt. Das ist ein routinemäßiger Sicherheitsschritt und ein den meisten Patientinnen unbekanntes Detail: Eine Verkleinerung ermöglicht zugleich die mikroskopische Untersuchung des Brustgewebes.
Wie verläuft der Operationstag?
Alle drei Eingriffe finden unter Vollnarkose und unter Klinikbedingungen statt. Morgens kommen Sie nüchtern; das Anästhesieteam nimmt die letzte Beurteilung vor, und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt zeichnet die Planung im Stehen auf die Brust. Diese Zeichnungen sind die Landkarte der Operation und werden unbedingt in aufrechter Position angefertigt, denn im Liegen verändert sich die Brustform vollständig.
Die Operationsdauer liegt je nach Eingriff zwischen einer und vier Stunden. Beim Aufwachen tragen Sie an der Brust einen speziellen chirurgischen BH oder einen elastischen Verband; bei Verkleinerungen und manchen Straffungen können dünne Drainagen eingelegt sein, die angesammelte Flüssigkeit ableiten. Die Drainagen werden meist innerhalb von ein bis zwei Tagen entfernt.
In den ersten Stunden sind ein Druck- und Spannungsgefühl an der Brust normal; bei Patientinnen mit unter dem Muskel liegendem Implantat ist diese Spannung etwas ausgeprägter und beim tiefen Einatmen spürbar. Der Schmerz lässt sich bei den meisten Patientinnen mit regelmäßigen Schmerzmitteln gut beherrschen. Noch am Abend des Operationstags sollen Sie mit dem Gehen beginnen; frühes Aufstehen ist die einfachste Maßnahme, um das Risiko einer Thrombose in den Beinen zu senken.
Der Klinikaufenthalt beträgt bei der Vergrößerung meist Entlassung am selben Tag oder eine Nacht, bei Straffung und Verkleinerung eine Nacht. Bei der Entlassung sollte Sie jemand begleiten; in den ersten 24 Stunden dürfen Sie kein Fahrzeug führen.
Heilung Woche für Woche
Die ersten 72 Stunden. Dies ist die empfindlichste Phase. In den ersten drei Nächten sollen Sie auf dem Rücken und mit um 30 bis 45 Grad erhöhtem Kopf und Oberkörper liegen; diese Position mindert die Schwellung. Die Arme sollten Sie nicht über Schulterhöhe heben und Schub- und Zugbewegungen vermeiden. Duschen wird in der Regel ab dem zweiten bis dritten Tag freigegeben, je nach Verbandsschema und nach Freigabe durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
1. Woche. Schwellung und Blutergüsse sind am deutlichsten; das Aussehen der Brust in den ersten Tagen spiegelt nicht das Endergebnis wider. Bei Patientinnen mit Implantat stehen die Brüste anfangs höher und straffer als später – die Sorge, das Implantat sitze zu hoch, wird in dieser Phase oft geäußert und ist meist unbegründet; das Implantat setzt sich über Wochen weicher werdend an seinen Platz. Wer im Büro arbeitet, kann zum Wochenende zurückkehren.
2. Woche. Die Fäden lösen sich bei den meisten Techniken von selbst auf; ist das nicht der Fall, werden sie in dieser Woche gezogen. Leichte tägliche Hausarbeiten sind wieder möglich. Autofahren ist erlaubt, sobald Sie sicher sind, dass ein plötzliches Manöver keine Schwierigkeiten bereitet, und Sie keine Schmerzmittel mehr benötigen – bei den meisten Patientinnen ab dem 7. bis 10. Tag.
4. Woche. Bewegung im Gehtempo ist erlaubt. Der chirurgische BH wird auch in dieser Phase den größten Teil des Tages getragen; die Gesamttragedauer beträgt meist vier bis sechs Wochen. Schweres Heben und Tätigkeiten, die die Armmuskulatur belasten, sind weiterhin eingeschränkt.
6. Woche. Bei den meisten Patientinnen werden Sportarten für den Unterkörper vollständig, Übungen für den Oberkörper schrittweise freigegeben. Bewegungen, die den Brustmuskel direkt beanspruchen (Liegestütze, Bankdrücken), werden bei Patientinnen mit unter dem Muskel liegendem Implantat meist bis zur 8. Woche zurückgestellt. Schwimmen sowie das Baden in Pool und Meer werden in dieser Phase erlaubt, sofern die Wundheilung abgeschlossen ist.
3.–6. Monat. Die Schwellung klingt weitgehend ab, die Brust wird weicher, das Implantat erlangt seine natürliche Beweglichkeit. Die Narben gehen von Rot zu Rosa und weiter zu einem blassen Ton über. Patientinnen nach einer Verkleinerung beschreiben die Abnahme der Rücken- und Schulterschmerzen meist in dieser Phase deutlich.
12. Monat. In Bezug auf Form und Narbe zeigt sich in dieser Phase das dem Endergebnis nächste Bild. Kontrolluntersuchungen laufen über diesen gesamten Zeitraum in geplanten Abständen weiter; der Zeitplan jeder Patientin wird von der Ärztin oder dem Arzt an das individuelle Heilungstempo angepasst.
Ein praktischer Hinweis: Sonne kann in den ersten drei Monaten zu einer dauerhaften Nachdunklung der Narben führen. Auch wenn die Freigabe zum Baden vorliegt, sollten die Narbenbereiche mindestens sechs Monate mit einem hohen Sonnenschutz oder einem geschlossenen Badeanzug geschützt werden.
Risiken und Komplikationen
Kein chirurgischer Eingriff ist ohne Risiko, und die Brustästhetik bildet dabei keine Ausnahme. Die folgenden Komplikationen sind selten, aber möglich; die Entscheidung für eine Operation sollte mit diesem Wissen getroffen werden.
Für alle drei Eingriffe gemeinsame Risiken: Blutung und Hämatom (eine Blutansammlung im Operationsgebiet, die mitunter durch einen kleinen Eingriff entleert werden muss), Infektion, Wundöffnung, Ausbildung auffälliger oder wulstiger Narben (hypertrophe Narbe/Keloid), vorübergehende oder dauerhafte Gefühlsveränderung an der Brustwarze, Asymmetrie zwischen beiden Brüsten sowie die mit einer Vollnarkose verbundenen Risiken. Bei Raucherinnen sind Wundheilungsstörungen deutlich häufiger.
Implantatspezifische Risiken:
- Kapselkontraktur: Der Körper bildet um jedes Implantat eine dünne Hülle; das ist normal. Verdickt und verhärtet sich diese Hülle und schnürt die Brust ein, spricht man von einer Kapselkontraktur. Sie verursacht deutliche Verhärtung, Formveränderung und mitunter Schmerzen. Die in der Fachliteratur berichteten Häufigkeiten schwanken je nach Technik und Beobachtungsdauer, treten aber bei einem kleinen Teil der Patientinnen im Lauf der Jahre auf. In fortgeschrittenen Stadien können die Entfernung der Kapsel und ein Austausch des Implantats erforderlich sein.
- Riss der Implantathülle (Ruptur): Bei modernen kohäsiven Gelimplantaten neigt das Gel nicht zum Auslaufen; deshalb bleibt ein Riss meist symptomlos und fällt erst in der Bildgebung auf. Wird er festgestellt, wird ein Austausch des Implantats empfohlen.
- Verlagerung oder Drehung des Implantats: Besonders bei anatomischen Implantaten kann eine Drehung zu einer Formveränderung führen und eine Korrektur erfordern.
- BIA-ALCL: eine sehr seltene Lymphomform, die mit texturierten (aufgerauten) Implantatoberflächen in Verbindung gebracht wird. Ihr typisches Zeichen ist eine plötzliche Schwellung mit Flüssigkeitsansammlung in der Brust, Jahre nach dem Eingriff. Dass sie selten ist, spricht nicht dagegen, sie zu kennen; jede Patientin mit Implantat sollte sich bei diesem Zeichen an ihre Ärztin oder ihren Arzt wenden.
Spezifische Risiken von Straffung und Verkleinerung: eine Durchblutungsstörung des Brustwarzen-Warzenhof-Komplexes (selten; kann zu einem teilweisen Gewebeverlust führen), eine Abnahme der Stillfähigkeit durch Beeinträchtigung der Milchgänge, Fettgewebsnekrose (Verhärtung von Fettgewebe zu tastbaren Knoten) sowie eine erneute Erschlaffung mit der Zeit.
Wir schreiben diese Liste nicht, um Ihnen Angst zu machen, sondern im Gegenteil, damit sie in Ihre Entscheidung einfließt. Ein erfahrenes Team, eine geeignete Patientenauswahl und eine regelmäßige Nachsorge verhindern die meisten dieser Risiken oder erkennen sie früh. Dennoch entspricht keine Aussage, die ein Nullrisiko verspricht, der Wirklichkeit.
Was ist langfristig zu erwarten: Wie sieht es nach zehn Jahren aus?
Die Ergebnisse der Brustästhetik sind langlebig, doch der Körper lebt weiter. Schwerkraft, Alterung, Gewichtsschwankungen und Schwangerschaften verändern jede Brust – ob operiert oder nicht – mit der Zeit.
Für Implantate gilt die früher genannte Regel eines zwingenden Austauschs alle zehn Jahre nach heutigem Verständnis nicht mehr. Ein problemloses Implantat muss nicht ausgetauscht werden, nur weil der Kalender abgelaufen ist; umgekehrt sollten Implantate auch nicht als lebenslang haltbare Geräte betrachtet werden. Eine Revision wird erwogen, wenn ein Riss, eine Kapselkontraktur oder eine Formveränderung auftritt. Die praktische Empfehlung lautet regelmäßige Nachsorge: eine jährliche klinische Untersuchung und in den von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt empfohlenen Abständen eine Ultraschall- oder MRT-Kontrolle sorgen dafür, dass still fortschreitende Probleme früh erkannt werden.
Bei Straffung und Verkleinerung kommt entferntes Gewebe nicht zurück; die Reise des verbleibenden Gewebes innerhalb der Haut geht jedoch weiter. Starke Gewichtszu- und -abnahmen sowie neue Schwangerschaften können die Erschlaffung erneut in Gang setzen. Deshalb wird bei Patientinnen mit Kinderwunsch in naher Zukunft die zeitliche Planung der Operation bei der Untersuchung gesondert besprochen; ein medizinisches Hindernis besteht nicht, aber für den Erhalt des Ergebnisses macht die Planung einen Unterschied.
Gewichtsstabilität, regelmäßige Bewegung und ein gut sitzender BH mögen gewöhnlich klingen; doch gerade diese drei Gewohnheiten tragen am meisten dazu bei, die erreichte Form zu erhalten.
Auch die Vorsorge der Brustgesundheit gehört zur langfristigen Betrachtung. Ein Implantat, eine Straffung oder eine Verkleinerung entbindet nicht von der altersgemäßen Brustkrebsvorsorge; im Gegenteil sorgt der Hinweis an das Bildgebungszentrum auf die Operationsvorgeschichte dafür, dass die richtige Aufnahmetechnik gewählt wird.